Lieber Gordon, wie geht es dir und deiner Familie? Welche Dinge beschäftigen euch am meisten?

Es geht uns soweit gut, obwohl auch für uns das vergangene Jahr Herausforderungen mit sich brachte. Wir konnten aber die Hilfs- und Sozialarbeit fast ohne Unterbruch weiterführen. Es beschäftigt uns vor allem, dass die Coronamassnahmen die Ärmsten und auch Normalverdienende, speziell kleine und mittelgrosse Unternehmen, hart getroffen hat. Auch für die Gastronomie war/ist es schwierig.

Wie kommt ihr als Familie /die bulgarische Gesellschaft mit den Bestimmungen zur Pandemie zurecht?

Wir konnten uns gut darauf einstellen und selbst spürten wir die Einschränkungen nicht so stark wie andere. Es gab grosse und weiterhin anhaltende Proteste gegen die Massnahmen und gegen den Mangel an staatlicher Unterstützung. Es ist ein recht komplexes Thema. Aber auch hier wie anderswo konnten sich gewisse Geschäfte umstellen und weiterhin etwas erwirtschaften. Zurzeit ist es etwas besser.

Wie arbeitet Heart for Bulgaria?

Anders als in Sambia, wo FCTrelief eine Basis hat und täglich mit Kindern arbeitet, helfen wir einzelnen Menschen und Familien praktisch und relevant im Alltag. Wir investieren in sie, um ihnen Möglichkeiten für eine bessere Zukunft zu bereiten und ihr tägliches Leben an Qualität zu verbessern.

Obwohl Bulgarien seit 2007 in der EU ist und viel Geld in Projekte floss, und auch Bulgarien viel Geld an die EU zahlt, gab es eine relativ grosse Auswanderung von jungen, kompetenten Menschen. Die meisten Ärzte sind über 50, die Renten sind tief und die Korruption macht vieles kaputt und berhindert auch so Wachstum und Wohlstand. Bulgarien bleibt das ärmste Land der EU.

Wie kommt die Arbeit voran? Welche Projekte verfolgt Heart for Bulgaria aktiv?

Wir sind zufrieden mit der Arbeit in diesem Rahmen, wie wir sie betreiben und freuen uns weiterhin auf das, was vor uns liegt. Wir machen und bewegen einiges (unsere ausführlichen Berichte findest du auf unserer Webseite www.HeartforBulgaria.org, in deutscher und englischer Sprache).

Das Hauptprojekt mussten wir wegen den Coronamassnahmen vorläufig einstellen. «Unsere Grossmütter» dürfen also zur Zeit nicht mit den behinderten Kindern arbeiten, aber wir sind bereit, falls sich die Situation ändern würde.

Erfreulich war in letzter Zeit die erfolgreiche Weihnachtsaktion! War echt der Hit, und wir machen auch damit weiter, Menschen so zu helfen – der Winter ist noch nicht vorbei. Mehr dazu unter www.HeartforBulgaria.org.

Wo gibt es Rückschläge? Warum?

Die Coronamassnahmen machten vorallem das Projekt mit den Grossmüttern schwierig bis unmöglich, aber wir suchten Wege, wie wir unsere Arbeit fortführen können. Ansonsten können wir mit unserer Arbeit weitermachen, vorallem einzelnen Familien und Menschen zu helfen.

Welche neuen Projekte sind in Planung/stehen an?

Ein Unterstützungsprojekt, dass wir gerne ausbauen wollen, geht um ein junges Mädchen. Sie hat eine Autoimmunerkrankung, die extrem selten ist. Vor ein paar Jahren war sie eines von sechs Kindern weltweit mit dieser Erkrankung und wir haben damals einiges für ihre Genesung in Deutschland gespendet. Letztes Jahr haben wir wieder Kontakt gefunden und die Familie nicht nur im Rahmen der Weihnachtsaktion unterstützt, sondern auch monatliche Unterhaltskosten ab 2021 für das Mädchen übernommen. Es liegt im Rahmen von 200 sFr monatlich. Wir wollen Sponsoren für sie finden.

Auch wollen wir zwei junge Athleten fördern. Sport ist wichtig und kann eine bessere Zukunft mitgestalten. Die Jungs sind Top-Ruderathleten und wir suchen Sponsoren im Rahmen von 110 Sfr (oder mehr) monatlich, damit sie die richtigen Nahrungsmittelergänzungen kaufen können. Wenn mehr Geld gesammelt werden kann, könnten wir sie auch sonst mit Ausrüstung unterstützen. Damit können wir in ihre Zukunft investieren. Wenn jemand Kontakte in diesem Sport hat und Ausrüstung oder gar Sportsponsoren kontaktieren könnte, wäre das super und die Familie wäre natürlich auch sehr dankbar.

Was wünschst du dir für Heart for Bulgaria für das Jahr 2021?

Ich wünsche mir weiterhin, dass wir den richtigen Menschen helfen können. Die Not ist gross und wir müssen uns einschränken und dabei richtige Entscheidungen treffen. Ich hoffe, dass die Arbeit weitergehen kann und wir weiterhin, wie unser Motto lautet, «Möglichkeiten schaffen und Hoffnung inspirieren» können – auf eine bessere Zukunft hin!

Was möchtest du noch anfügen?

Bleibt zum Schluss – last but not least (und von höchster Priorität!) – unseren Sponsoren zu danken. Die Hilfe, die wir bieten, auch wenn oft bescheiden, macht einen echten Unterschied im Leben von wertvollen Menschen. Vielen Dank!